Ratgeber Fibromyalgie
Informationen für Betroffene und Interessierte
Entstehung von Fibromyalgie
Warum eine Fibromyalgie entsteht, konnte die medizinische Forschung bisher nicht ergründen. Dennoch werden diverse Auslöser für die Entstehung eines Fibromyalgiesyndroms vermutet. Für die sekundär auftretende Fibromyalgie findet sich eine ursächliche Vorerkrankung, sei es eine Verletzung, eine Operation, ein seelisches Trauma oder auch ein rheumatisches Leiden. Tritt Fibromyalgie aber ohne solch eine Vorgeschichte in Erscheinung, handelt es sich um eine Einzelerkrankung (primärer Typ), deren Ursache gänzlich unbekannt ist.
Welche Auslöser für Fibromyalgie werden vermutet?
- Familiäre Häufung:
Bei einigen Betroffenen findet sich eine Häufung von FMS (Fibromyalgie) innerhalb ihrer Familie. Dies lässt die Wissenschaft auf eine erbliche Komponente der Erkrankung schließen. Was allerdings innerhalb der Familie vererbt wird, ob es eine Störung des Schmerzempfindens selbst, Probleme bei der Schmerzweiterleitung oder Eigenschaften der Botenstoffe innerhalb des Schmerzsystems sind, ist wiederum nicht geklärt.
- Störungen und Veränderungen in der Schmerzwahrnehmung:
Die Schmerzempfindung ist bei jedem Menschen unterschiedlich und auch tagesformabhängig. Was z. B. heute als unangenehmer Schmerz empfunden wird, wird vielleicht morgen nur als leicht störend wahrgenommen. Diverse Botenstoffe, wie Serotonin und Tryptophan sowie die sogenannte Schmerzsubstanz P, beeinflussen unser Nervensystem und somit auch die Schmerzwahrnehmung. Patienten mit Fibromyalgie weisen oftmals einen erhöhten Wert der Substanz P auf. Parallel dazu sinkt der Serotoninspiegel. Ob dies allerdings Ursache oder Folge von FMS ist, steht noch nicht fest.
- Störungen im Hormonhaushalt:
Die Betroffenen weisen ein Missverhältnis der Botenstoffe Serotonin und Melatonin auf, die Einfluss auf das menschliche Nervensystem nehmen und unter anderem für den Schlafrhythmus verantwortlich sind. Zudem findet sich eine Störungen der Hormonausschüttung im Hypothalamus, der als Schnittstelle zwischen Körper und Gehirn fungiert. In der Folge sind sowohl die Hypophyse als auch die Nebennieren in ihrer Funktion beeinträchtigt. Das Ergebnis dieser Fehlfunktionen ist eine dauerhafte Stressreaktion des Körpers.
- Schlafstörungen:
Die Betroffenen sind nicht in der Lage, während ihrer Ruhephase den Tiefschlaf zu erreichen. Somit fehlt ihnen die wichtige Erholung. Dauert dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, belastet dies den Körper übermäßig und er reagiert gestresst.
- Störungen des Muskelstoffwechsels:
Bei einigen Betroffenen wurden unerklärliche Veränderungen des Stoffwechsels in den Muskelfasern entdeckt. Dort, wo die Muskeln sich bei Bewegung hätten anspannen müssen, entspannten sie plötzlich. Darüber hinaus schien die Sauerstoffversorgung der betroffenen Muskeln ebenfalls mangelhaft. Der Forschung ist es allerdings bisher nicht gelungen zu klären, ob dieses Phänomen Auslöser oder Folge von Fibromyalgie ist.
- Dauerreizung des Schmerzempfindens durch Vorerkrankungen:
Hierbei kann das entstehen, was die Mediziner als eine sekundäre Fibromyalgie bezeichnen. Die Betroffenen litten im Vorfeld z. B. unter einem Bandscheibenvorfall im Lenden- oder Halswirbelbereich oder einem Schleudertrauma. Wird diese Erkrankungen nicht austherapiert, leiden die Patienten weiterhin unter dauerhaften Schmerzen, die in das sogenannte Schmerzgedächtnis unseres Körpers einfließen. Wird auch die Vorerkrankung im weiteren Verlauf kuriert, behält der Körper dennoch das vorherige Schmerzempfinden bei. Die Schmerzen werden dann chronisch.
- Psychischer Stress:
Viele Patienten mit Fibromyalgie leiden unter Depressionen und Angstzuständen. Diese wirken sich auch auf ihren Körper aus, der wiederum mit Stress reagiert. Allerdings ist man hier der Auffassung, dass Stress selbst, auch wenn er vorher bereits existiert haben mag, nicht alleiniger Auslöser der Fibromyalgie ist. Vielmehr befinden sich die Betroffenen hier in einem Teufelskreis. Die ständig zu ertragenden Schmerzen, die Odyssee von Arzt zu Arzt, das Empfinden, nicht ernst genommen zu werden, mangelnder Rückhalt in der Familie, all das setzt die Betroffenen weiter unter Druck. Die Folge ist eine Verstärkung von Depressionen und Angstzuständen. Dies wiederum wirkt sich auch negativ auf den Körper aus, was unter Umständen eine Verschlimmerung der Fibromyalgie nach sich zieht.
Melissa Seitz